Gedanken über die Zucht und über Züchter
Wir Züchter sind schon ein seltsames Volk, egal zu welcher Kategorie der Züchter wir uns zählen. Denn da gibt es ja doch sehr unterschiedliche Phylosophien. Die Einen, denen es nur um die Vermehrung und Vermarktung geht, die auf verschiedenen Märkten zu finden sind, verschiedene Kaninchenrassen oder oft Mischlinge in Masse für wenig Geld züchten und anbieten. Dann die vielen organisierten Züchter, die ohne ein Zuchtziel zu haben, einfach nur vermehren, um von den 100 Jungtieren, vielleicht 5 auf einer Ausstellung präsentieren zu können. Der Rest wird geschlachtet. Andere in Vereinen organisierten Züchtern haben wir es zu verdanken, daß es überhaupt Rassekaninchen gibt. Sie züchten nach strengen Regeln und hohen Maßstäben. Stellen die Tiere den strengen Augen der Richter vor. Hobbyzüchter, die sich einfach am Nachwuchs erfreuen, die aber dann oft nicht wissen, wohin mit den Tieren. Andere Züchter, die es schon ein wenig profesioneller betreiben und beständig auf der Suche nach mehr Wissen sind und und und. Sooo viel verschiedene Menschen/Züchter mit verschiedenen Grundsätzen und Zielen. Ich habe viele kennen gelernt und mich oftmals erschrocken über die verschiedenen Einstellungen, die Züchter zu ihren Tieren haben. Von gänzlicher Hingabe bis zu vollkommener Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen der Tiere. Leider gibt es mehr von der Sorte, die nur eigennützig bei der Kaninchenzucht vorgehen. Das fängt schon bei den Stallungen an. Je kleiner so eine Bucht, desto mehr Tiere können sie halten. Einige Züchter leben auch noch in dem Irrglauben, Kaninchen bräuchten kein Wasser! Viele Tiere leben auf Rosten, damit sie sauber bleiben und damit Züchter weniger Arbeit hat. Viele Tiere sehen ihr Leben lang kein Grünfutter. Nie haben sie z.B. Löwenzahn geschmeckt. Bei der Pelletfütterung wird auch nicht auf Qualität Wert gelegt, sondern es wird nur nach Preis gekauft. Züchter, die jedes Jahr eine Zuchtauflösung ankündigen, aus den unterschiedlichsten Gründen, dann im Frühjahr aber wieder kaufen, natürlich in den "Modefarben". Überhaupt werden bei einigen Züchtern ständig die Zuchttiere ausgewechselt. Hm...gibt ja auch zu denken. Ach, ich kann gar nicht beschreiben, was ich schon an Mißständen mitbekommen habe. Leider reicht mein Einfluß nicht so weit, daß ich Veränderungen erwirke. Als weibliche Person, die Kaninchen züchtet und dann auch noch eine Zwergrasse, die es sich ja nicht lohnt zu schlachten, wird man schwerlich bei den älteren, zumeist männlichen Züchtern ernst genommen. Deren Frauen sind meistens "nur" für die Weiterverarbeitung der Felle und des Fleisches verantwortlich. Natürlich ist das absolut akzeptabel! Mich persönlich stört dabei nur diese Unwissenheit in Bezug auf die Bedürfnisse der "noch" lebenden Kaninchen. Warum überhaupt Zucht? Oft wird mir die Frage besonders von Tierschützern gestellt. Es gäbe dich genügend Kaninchen z.B. in den Tierheimen. Ich möchte dazu gar nicht all zuviel sagen, außer das die meisten Menschen, die zu mir kommen, schlechte Erfahrungen gemacht haben mit Tieren aus 2. Hand und nun auf der Suche sind nach einem neuen, lieben und sozial verträglichen Hausgenossen, an dem man sich erfreuen kann und keine Probleme hat . Würde jeder Züchter Wert auf eine gesunde und liebevolle Aufzucht und eine verantwortungsvolle Abgabe der Jungtiere sorgen, gäbe es vermutlich gar nicht so viele Kaninchen in unseren Tierheimen. Vermissen tue ich auch bei einigen mir bekannten Züchtern "das Auge" für ihre Tiere. Sie meinen es wohl gut mit ihnen, interpretieren aber Verhaltensweisen vollkommen falsch. Vermenschlichen gerne und sind auch nicht belehrbar. Ich habe diese Zeilen "mal eben" so geschrieben und werde sie auch erstmal so stehen lassen. Aber ich habe arg abgekürzt und hätte noch sooo viel zu sagen. Möchte gerne alles überarbeiten und in verständlichen Sätzen neu formulieren. Dieses werde ich demnächst an einem regnerischen Tag gerne tun. Nun möchte ich aber raus und zu meinen Tieren. Denn Grünzeug zu sammeln, Tiere zu beobachten, Ställe zu reinigen, Reperaturen auszuführen etc. benötigt sehr viel Zeit, ohne die es aber nicht geht und ich wünsche jeden Züchter und Halter von Tieren die Einsicht, daß wenn keine Zeit mehr ist, sich lieber von den Tieren zu trennen als sie verwahrlosen zu lassen. Auch hier habe ich schon schreckliche Bilder sehen müssen. Möchte an dieser Stelle noch erwähnen, daß ich mich nicht für allwissend halte und mich als die einzige Züchterin sehe, die alles richtig macht. Aber wir sollten uns alle bemühen. Wir tragen eine große Verantwortung und müßen ihr gerecht werden. Ein wenig Selbstkritik und Empfänglichkeit für Fremdkritik sind immer angebracht.